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Newsletter "Mittelhochdeutsche Begriffsdatenbank" vom 27.06.2018

Liebe Leserinnen und Leser,

wer es wil und chan es suchen
in alten und in newen puechen

Seifrits Alexander (SAX), V. 31–37

Mit dieser Ausgabe des Newsletters wollen wir Ihnen einen Einblick in den aktuellen Stand der Arbeiten am Relaunch der Mittelhochdeutschen Begriffsdatenbank geben. Weiters möchten wir Ihnen den personellen Neuzugang der MHDBDB, Peter Hinkelmanns, vorstellen und auf Vorträge, Publikationen und Tagungen mit MHDBDB-Beteiligung in nächster Zeit hinweisen.

Viel Freude beim Lesen wünscht
das Team der Mittelhochdeutschen Begriffsdatenbank




Relaunch

Linked Open Data für die Mediävistik

Die mittelhochdeutsche Lexikographie ist bereits in wesentlichen Teilen frei online zugänglich. Obwohl sich die stark strukturierten Wörterbuchartikel klassischer Wörterbücher und die Datensätze lexikographischer Datenbanken wie der MHDBDB für den Anschluss an das Semantic Web und LOD besonders eignen, sind lexikographische Daten noch nicht in großer Zahl in das Semantic Web aufgenommen worden. Die MHDBDB vollzieht mit dem Relaunch einen weiteren Digital Turn. Die lexikographischen Daten der MHDBDB werden für den Relaunch mit RDF und Ontolex aufbereitet. Dadurch wird die MHDBDB im Semantic Web verfügbar.

Die Texte des Korpus der MHDBDB werden mit dem Relaunch nach TEI-P5 konvertiert. Jeder durch Spatien oder Satzzeichen getrennte String wird als Token aufgefasst und mit einer einzigartigen ID versehen. Die Token eines Textes und Einheiten, die aus mehreren Tokens bestehen – etwa getrennte Verbformen –, werden einem Wortartikel zugeordnet. Zu jedem Wortartikel wird eine normalisierte Grundform angegeben, die sich nach den Lemmata der mittelhochdeutschen Lemmaliste des Mittelhochdeutschen Wörterbuchs (MWB) richtet. Die in den Texten erscheinenden Formen sollen nach morphologischen Merkmalen gebündelt abfragbar sein, also: „Zeige mir alle orthographischen Varianten des Nominativ Plurals des Lemmas“. Eine Wortbildungsanalyse verbindet das Lemma mit den Wortartikel der Einzelbestandteile.

Kernelemente eines Artikels sind die Bedeutungsangaben, die sich aus Verweisen auf das Begriffssystem der MHDBDB zusammensetzen. Zukünftig wird es auch komfortabel möglich sein, nicht nur nach einem Begriff zu suchen, sondern auch alle untergeordneten Begriffe anzeigen zu lassen. Auch das Begriffssystem selbst wird als Semantic Web-Ressource veröffentlicht.


Repository

Neue Texte im Repository der MHDBDB

Die folgenden Texte wurden neu eingelesen und vollständig lemmatisiert:

Der König vom Odenwald (KVO)
König vom Odenwald. Gedichte. Mittelhochdeutsch – Neuhochdeutsch. Mit einer Einleitung zur Klärung der Verfasserfrage. Hrsg. und übertragen von Reinhard Olt (Germanische Bibliothek, Reihe 4), Heidelberg 1988.

Göttweiger Trojanerkrieg (GWTK)
Der Göttweiger Trojanerkrieg. Mit einer Tafel in Lichtdruck. Hrsg. von Alfred Koppitz (Deutsche Texte des Mittelalters, Band 29), Berlin 1926.


Kooperation

MHDBDB als Partner von ZHistLex

Die MHDBDB ist Partner des Projektes „eHumanities-Zentrum für Historische Lexikographie“. Kernaufgaben sind die Vernetzung lexikographischer Ressourcen und deren Darstellungs- und Zugriffsformen. Mitglieder des Projekts sind unter anderem das Mittelhochdeutsches Wörterbuch (MWB), das Wortauskunftssystem zur deutschen Sprache in Geschichte und Gegenwart (DWDS) und das Trierer Wörterbuchnetz.

Über eine gemeinsame REST-Schnittstelle, also einen standardisierten Abfrageweg auf die Inhalte aller Wörterbücher und lexikographischer Systeme, können sämtliche verteilt angebotenen Inhalte abgefragt werden. Eine gemeinsame Oberfläche wird die komfortable Nutzung dieses Angebots ermöglichen.


Kooperation

dhPLUS

Zusammen mit Stefan Zweig Digital und Ebner Online ist die MHDBDB eines von drei Pilotprojekten der Plattform dhPLUS. Dieses an der Universität Salzburg entstehende Projekt soll den dauerhaften und sicheren Betrieb von DH-Projekten gewährleisten. Das Repositorium ermöglicht die langfristige Sicherung, persistente Adressierung und Versionierung von Daten. Auch die Daten für den laufenden Betrieb können durch die Plattform bereitgestellt werden.


Präsentationen, Tagungen und Workshops

digital humanities austria 2018 – empowering researchers

Das Team der MHDBDB ist Teil des Tagungskomitees der diesjährigen digital humanities austria-Konferenz zum Thema empowering researchers. Die nun zum fünften Mal stattfindende Tagung soll ein Forum sein für den Dialog der Fachdisziplinen und deren Digitalisierung. Sie will dazu beitragen, Forschung für die Gesellschaft zugänglicher zu machen. Die Tagung findet vom 29.11. bis zum 01.12.2018 an der Universität Salzburg statt. Organisiert wird sie von Kolleginnen und Kollegen aus dem Literaturarchiv Salzburg, der Kontaktstelle Citizen Science der Universität Salzburg, der DH-Plattform dhPLUS der Universität Salzburg sowie der MHDBDB.

Kurzentschlossene haben noch bis zum 15. Juli Gelegenheit, einen Vorschlag für einen Beitrag einzureichen.


Präsentationen, Tagungen und Workshops

MHDBDB auf Tagungen

International Medieval Congress 2018 an der University of Leeds

Die MHDBDB ist auch 2018 mit zwei Vorträgen beim #IMC2018 in Leeds (2.–5. Juli 2018) vertreten.
Peter Hinkelmanns wird sprechen zu The Digital Archive. Data-Based (His-)Stories (Session 346, Mo. 2.7., 16.30–18.00 Uhr), Katharina Zeppezauer-Wachauer zu Feasts and Representation: Memory of Exclusivity in Middle High German Literature (Session 1238, Mi. 4.7., 14.15–15.45 Uhr). Es ergeht herzliche Einladung!

Konferenzhomepage IMC2018

GGSG-Jahrestagung 2018 an der Universität Bamberg

Vom 20.–22. September 2018 findet in Bamberg die 10. Jahrestagung "Historische Korpuslinguistik" der Gesellschaft für germanistische Sprachgeschichte statt.
Katharina Zeppezauer-Wachauer hält einen Plenarvortrag mit dem Titel Korpuslinguistik, LOD und Semantic Web. Aufruf zum methodischen Ungehorsam mit der Mittelhochdeutschen Begriffsdatenbank.
Die Anmeldung zur #GGSG2018 ist derzeit noch möglich.

Konferenzhomepage 2018

Tagung Bienen und Honig vom Zentrum für Gastrosophie

Das Zentrum für Gastrosophie der Universität Salzburg organisiert von 24.–26. September 2018 eine interdisziplinäre Tagung mit dem Titel Bienen und Honig. Geschichte und Gegenwart im Benediktinerstift Admont.
Im von Michael Brauer (Univ. Salzburg) moderierten Panel "Honig in der mittelalterlichen Lebenswelt" referiert Katharina Zeppezauer-Wachauer zu „ô minnecliche süeʒe, ô himelischer honecseim!“ Zur Poetisierung von Honig in der mittelhochdeutschen Dichtung.

Publikationen

Krisen, Kriege, Katastropen

Der von Christian Rohr, Ursula Bieber und Katharina Zeppezauer-Wachauer in der Reihe Interdisziplinäre Beiträge zu Mittelalter und Früher Neuzeit, herausgegebene Band Krisen, Kriege, Katastropen ist am 12. Juni 2018 erschienen.

Kriege, Seuchen, extreme Naturgewalten und Hungerkrisen haben das Leben der Menschen im Mittelalter entscheidend geprägt. Sie waren wesentliche Faktoren für die Bevölkerungsentwicklung, beeinflussten die zeitgenössischen Mentalitäten und fanden auch in der Literatur einen intensiven Niederschlag.

Der Sammelband vereinigt in interdisziplinärer Weise Beiträge aus den Fächern Geschichte, Germanistik, Romanistik, Slawistik, Musikwissenschaft und Forensische Genetik. Gefragt wird nach den Wahrnehmungs-, Deutungs- Bewältigungs- und Erinnerungsmustern von Katastrophen in der mittelalterlichen Gesellschaft, nach realen Ereignissen ebenso wie nach mythischen Niederlagen und der Apokalypse. Der thematische Bogen spannt sich vom Umgang der Menschen mit Naturgefahren und Seuchen über politische, soziale und emotionale Krisen mit ihren Auswirkungen auf die Gesellschaft bis hin zur Angst vor dem Tod und dem Jüngsten Gericht.

Darin enthalten:

Klaus M. Schmidt: Psycholexikologische Annäherungen an Gewalt und Krieg im Mittelalter. Suchstrategien mit der Mittelhochdeutschen Begriffsdatenbank (MHDBDB), S. 233–291.

Ulrich Müller (†) und Katharina Zeppezauer-Wachauer: Krisen, Gewalt und Kriege der Liebe in der mittelalterlichen Literatur, S. 293–215.


Rückschau

Gastvortrag an der TU Darmstadt

Wir bedanken uns bei den Kolleginnen und Kollegen der TU Darmstadt für den anregenden Austausch im Kolloquium Digital Philology am 19. Juni. Katharina Zeppezauer-Wachauer referierte zum Thema "Nahrhafte Dichtung Digital. Ein Online-Glossar der poetischen Speisenfachsprache des Mittelalters".

Rückschau

MHDBDB beim Arbeitsgespräch zur historischen Lexikographie in Bullay

Sehr angeregte Diskussionen konnte das Team der MHDBDB beim diesjährigen Arbeitsgespräch zur historischen Lexikographie in Bullay, 27.–29. April, führen. Bei bestem Moselwein wurden bis spät in die Nacht fachliche Belange besprochen und Kooperationen geknüpft.

Peter Hinkelmanns hat in einem Beitrag das Begriffssystem der MHDBDB und dessen Erweiterung durch Linked Open Data (LOD) vorgestellt. Eine weitere Frage war die nach der besseren Erschließung des umfassenden onomastischen Wortbestands der MHDBDB.




Rückschau

Citizen Science Conference 2018

Die MHDBDB hat ihre Pläne für eine stärkere Citizen-Science-Beteiligung auf der vierten österreichischen Citizen Science Konferenz vom 1. bis zum 3. Februar 2018 in Salzburg vorgestellt. Die App wunderspil soll unterhaltsame Fragen zum Mittelhochdeutschen bieten und mit Hilfe der NutzerInnen die Datenqualität der MHDBDB erhöhen.

Auch ein virtueller Seminarraum soll entwickelt werden, der es Lehrenden ermöglicht, ein Textkorpus zur Nutzung im Unterricht zusammenzustellen.




Vortragssession Chancen und Grenzen von Citizen Science in den Kulturwissenschaften. Bild 2 mit Marlene Ernst, Micheal Brauer, Peter Hinkelmanns, Katharina Zeppezauer-Wachauer

Fotos: Simon P. Haigermoser & Hans-Christian Gruber

Weitere Bilder von der Tagung

MHDBDB-Newsletter-Tutorials

Auf den Hund gekommen

Schoßhündchen als Schmuckaccessoires von höfischen Damen sind ein beliebter Topos in der mittelalterlichen Literatur und Bilderwelt. Wie Sie solche speziellen Sujets mit der MHDBDB aufspüren können, zeigen wir Ihnen im Rahmen dieses Tutorials. Wie immer empfehlen wir bei der komplexen Motivsuche die Kombination unterschiedlicher Wege:

Weg Nr. 1

Geben Sie folgenden Suchstring innerhalb von mehreren Zeilen in das Modul Textsuche ein:

14012100 + hunt

Der Zifferncode steht für den Begriff "Haustiere/Namen", das + ergibt zwei (oder mehrere) Wörter in einem vordefinierten Suchkontext, den Sie in der Maske einstellen können – z.B. Kontext: 3 Zeilen. (Zukünftig wird die Suche nach Begriffsfeldern visuell und ohne Eingabe der numerischen Codes erfolgen können.)

Beispielhafte Ergebnisse:
Gardivias so hiez der hunt (JT, V. 1190,4)
Petitcreiu daz hundelin (TR, V. 15902)

Weg Nr. 2

Auf dieselbe Weise lässt sich die Wortumgebung des Schlüsselwortes abtasten. Suchen Sie z.B. nach
hunt + vrouwe,
hunt + kleine oder
hunt + schôz
bzw. anderen passenden Schlagwörtern, die die Idee vom Schmuckhund in der mittelalterlichen Damenwelt widerspiegeln.

Beispielhafte Ergebnisse:
des landes vürste Gilân / gap mir ein cleinez hundelîn, / daz sande ich der vrouwen mîn (TR, V. 3968–3970)
kleiniu hundel, salterbuoch / sî ûz den schôzen valten. (VIR, V. 130,9–10)
diu hundel gunden bellen / den juncvrouwen in ir schôz. (VIR, V. 662,6–7)
Isôt die küneginne clâr / des hundels cleine verdrôz; / sie legete ez schône an ire schôz / und nam mit ir wîzen hant / iren mantel von blîant / und behulte ez dâ mite. (TR, V. 4580–4585)

Weg Nr. 3

Es ist zu vermuten, dass Schoßhündchen meist mit Diminutivformen bezeichnet werden.
Rufen Sie daher das Lemma hunt im Wortindex auf und notieren Sie die relevanten Formen (z.B. "huendelein").
In der Textsuche können Sie nach exakten Wortformen bzw. Buchstabenabfolgen suchen, indem Sie das Suchsymbol $ vorschalten:

$huendelein oder
$hundelîn

Beispielhafte Ergebnisse:
Ich gab im ein huendelein, / Daz waz Bititgriur genant. (GAR, V. 2454–2455)
daz hundelîn gap mir der bot / ich sag für wâr eu daz bî got (FD, V. 361,1–2)


Für die Inspiration zu diesem Tutorial danken wir recht herzlich Dominik Nießl, der uns per eMail um Unterstützung bei der Schmuckhündchen-Suche gebeten hat.

Abbildung kompiliert aus: Cod. Pal. germ. 848, Bl. 064r (vrouwe und hundelîn bei Dietmar von Aist) und Cod. Pal. germ. 848, Bl. 076v (vrouwe und hundelîn bei Heinrich von Morungen)


Personalia

Peter Hinkelmanns verstärkt seit Januar 2018 das Team der MHDBDB

Im Januar 2018 hat Peter Hinkelmanns seine Stelle bei der MHDBDB angetreten. Peter Hinkelmanns hat Interdisziplinäre Mittelalterstudien in Bamberg studiert und promoviert zu einem Thema der historischen Sprachgeschichte. Er ist darüber hinaus ein Experte für Digital Humanities und war zuvor beim Trier Center for Digital Humanities im Projekt Wörterbuchnetz beschäftigt. Seine Expertise in der Lexikographie zu historischen Sprachstufen des Deutschen konnte er durch die Digitalisierung des Althochdeutschen Wörterbuchs und seine Mitarbeit im Projekt Zentrum für historische Lexikographie (ZHistLex), als Mitarbeiter des Mittelhochdeutschen Wörterbuchs, ausbauen.

Bei der MHDBDB kümmert er sich im Rahmen des Relaunchs um die Konzeption von Datenmodellen und die Einbindung von Linked Open Data.


Sonstiges

Social Media: Twitter

Zusätzlich zu unserem Facebook-Account betreiben wir seit März 2018 den Twitter-Account @MHD_BDB. Dort berichten wir aus der aktuellen Arbeit und auch direkt von Tagungen. Unter dem Hashtag #MHDBDB finden Sie Beiträge zur MHDBDB versammelt. Wenn Sie selbst auf Twitter über die MHDBDB schreiben, geben Sie bitte diesen Hashtag an

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