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Newsletter 1.2020

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde des Literaturarchivs,

diesmal ist es in mancher Hinsicht nicht der gewohnte Newsletter, den Sie alle sechs Monate von uns bekommen und in dem wir Sie über Neuigkeiten aus dem Archiv informieren: über aktuelle Veranstaltungen, Ausstellungen, Erwerbungen und Veröffentlichungen.

Denn auch das Literaturarchiv Salzburg war natürlich – wie alle anderen vergleichbaren Institutionen – von der Corona-Pandemie betroffen. Und wir müssen Ihnen somit zum Teil auch berichten, welche ursprünglich geplanten Veranstaltungen und weiteren Aktivitäten kurzfristig abgesagt werden mussten, und wie sie (nach Möglichkeit) ersetzt bzw. nachgeholt werden können.

Nicht zuletzt deshalb enthält der Newsletter diesmal auch einen eigenen Punkt über unsere Präsenz in der digitalen Welt. Denn dort konnten wir auch weiterhin für Sie tätig sein – im Home-Office, und nach strikt den Sicherheitsvorschriften folgenden Arbeitsplänen.

Dennoch gibt es, trotz Corona, auch sonst einige interessante Neuigkeiten zu vermelden. Und übrigens: Mittlerweile haben wir auch wieder für Sie geöffnet! Bei gewünschter Einsichtnahme in unsere Bestände bitten wir Sie allerdings aufgrund der Zugangsbestimmungen an der Universität und der Dokumentationspflicht um vorherige Anmeldung.

Das Team des Literaturarchivs wünscht Ihnen einen schönen und erholsamen Sommer.

Mit besten Grüßen
Manfred Mittermayer
im Namen des Archivteams

Inhalt

las*FUNDE


Alois Grasmayr: Der Wolkenkratzer


Typoskriptblatt mit hs. Bleistiftkorrekturen des Autors (pag. 259); Bucheinbände des dreiteiligen autobiographischen Werks Hundert Geschichten aus einem Leben, leinengebunden



„Nun verbreitete man das Gerücht, ich wolle einen Wolkenkratzer bauen […] denn man traute mir allerhand zu.“ (pag. 259f.)

Wer in Salzburg kennt nicht das mehrstöckige „Hotel Stein“ am Giselakai bei der Staatsbrücke, über das Alois Grasmayr schrieb, dass er es „durch den Aufbau eines sechsten Stockwerkes zum ‚Wolkenkratzer‘, zum höchsten Haus der Stadt gemacht“ habe (pag. 340)? (Diese Behauptung hat freilich nur bis zum Bau des Hotel Europa in den 1950er Jahren Gültigkeit.) Viele internationale Gäste, v.a. Besucher*innen der Salzburger Festspiele, aber auch Einheimische genießen nach wie vor den pittoresken Blick vom Terrassencafé auf die Dächer der Stadt und die gegenüberliegende Salzachseite mit Festung und Mönchsberg. Wer aber weiß noch, dass das oberste Stockwerk, das heute das Gebäude wie selbstverständlich krönt, erst 1924 auf Initiative Grasmayrs aufgezogen wurde, und zwar gegen den Widerstand der gastronomischen Konkurrenz und der Baubehörde – denn „schon der fünfte Stock sei nur ‚geduldet‘“ (pag. 259) –, aber mit „höchster Billigung“ der Regierung, die an der Förderung des Fremdenverkehrs außerordentlich interessiert war?

In dem kurzen Prosatext „Der Wolkenkratzer“, der im dritten Band von Grasmayrs dreiteiligem Erzählprojekt Hundert Geschichten aus einem Leben enthalten ist, gibt er eine bizarre Episode aus der Baugeschichte des Hotels wieder. Sie ist zugleich Zeugnis seines visionären Unternehmertums. Wie zahlreiche andere der auf über 100 Beiträge angewachsenen Sammlung ist auch dieser Text nicht in der postum (1990) von Johann Aigner unter dem Titel Vom Reichtum der Armut herausgegebenen Auswahl aus Grasmayrs autobiographischem Werk enthalten und kann daher nur im Literaturarchiv Salzburg eingesehen werden. Es handelt sich um drei mit Bleistiftkorrekturen des Autors versehene Typoskriptblätter in A4-Format (pag. 259–261), die gemeinsam mit 28 Erzählungen des dritten Bandes mit einem festen Leineneinband (31,8 x 25,4 cm) gebunden sind. „Der Wolkenkratzer ist eine von sechs kurzen „Geschichten“, die unter die Kapitelüberschrift „Geschäfte“ subsumiert sind. Weitere Kapitel des dritten Teils sind Grasmayrs Reisen nach „Italien“ und „Amerika“ sowie seinem „Leben“ und „Werk“ gewidmet, der Abschnitt „Ausklang“ schließt den letzten Band ab. Obgleich Grasmayr, ein leidenschaftlicher Kriegsgegner, wegen „Wehrkraftzersetzung“ während der NS-Zeit zweimal von der Gestapo inhaftiert wurde, hat er diese Erfahrungen unerwähnt gelassen, mit Ausnahme der lapidaren handschriftlichen Einfügung „ich saß im Gefängnis und“ in der Erzählung „Ernte im Schnee“ im selben Band (pag. 336).

Alois Grasmayr (* 1876, Hohenzell/OÖ; † 1955, Salzburg) war nicht nur Besitzer der renommierten Salzburger Hotels „Stein“ und „Bristol“, der beiden Innenstadtgasthöfe „Blaue Gans“ und „Sternbräu“ sowie der sog. ‚Grasmayr-Villa‘ auf dem Mönchsberg – er hatte diese Immobilien zu Beginn des Ersten Weltkrieges mit der Mitgift seiner Ehefrau Magda, einer geb. Mautner Markhof, erworben –, sondern auch ein großzügiger Förderer verschiedener bildender Künstler und Literaten in Salzburg. Freundschaftlich verbunden war er u.a. mit dem Maler Eduard Bäumer, dem Kunsthistoriker Ludwig Praehauser sowie mit den Schriftstellern Hermann Bahr, Richard Billinger, Felix Braun, Georg Eberl, Georg Rendl und Stefan Zweig. Grasmayrs literarischer Nachlass mit den hier präsentierten Archivalien und seinen umfangreichen Bibel-, Faust- und Homerstudien steht gemeinsam mit den Krypto-Nachlässen von Magda Grasmayr und Dr. Klaus Grasmayr der interessierten Öffentlichkeit im Literaturarchiv Salzburg zur Verfügung.

Silvia Bengesser

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Das Literaturarchiv in der digitalen Welt


Digitale Tage der Archive 2020

Rund um den 9. Juni, den Internationalen Tag der Archive, veranstaltet die Wissensstadt Salzburg seit einigen Jahren die in Österreich einzigartigen Tage der Archive. Da die geplanten Veranstaltungen heuer leider nicht stattfinden konnten, setzen die teilnehmenden Einrichtungen ein digitales Zeichen und bringen ihr Wissen direkt zu Ihnen nach Hause: Eine aktuelle Zusammenstellung auf der Website der Wissensstadt präsentiert das umfangreiche Angebot von Online-Datenbanken und themenspezifischen Plattformen der Salzburger Archive. Das Literaturarchiv ist mit seiner Plattform www.stefanzweig.digital vertreten.

Beim Gewinnspiel der ersten digitalen Tage der Archive können Sie auch Publikationen des Literaturarchivs gewinnen – Einsendeschluss ist der 15. Juli 2020.


Neues auf www.stefanzweig.digital

Eine erweiterte Version von stefanzweig.digital ist ab sofort verfügbar. Die Werke Stefan Zweigs, die an der National Library of Israel aufbewahrt werden, sind gemeinsam mit den bereits bestehenden Datenbeständen durchsuchbar und als digitale Faksimiles online zugänglich. Durch die erfolgreiche Kooperation mit der National Library of Israel konnte somit ein weiterer wesentlicher Teil von Zweigs Nachlass in die Plattform aufgenommen werden.

Stefan Zweigs private Autographensammlung ist ebenfalls online zu finden. Das Sammeln von Manuskripten war für Zweig eine lebenslange Leidenschaft. In den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts baute er eine der weltweit bedeutendsten Sammlungen von Originalen auf, die literarische und musikalische Handschriften von Johann Sebastian Bach, Ludwig van Beethoven, Sigmund Freud, Johann Wolfgang Goethe, Wolfgang Amadeus Mozart und vielen anderen enthielt.

Die rund 1000 Autographen werden heute in mehreren Institutionen aufbewahrt und nun auf www.stefanzweig.digital zusammengeführt. Zahlreiche Dokumente sind auch als Faksimile zugänglich.

Das Verzeichnis basiert auf dem Buch Ich kenne den Zauber der Schrift. Katalog und Geschichte der Autographensammlung Stefan Zweig von Oliver Matuschek. Ein Text zu Zweigs Sammlung begleitet die Online-Verzeichnung der Autographen.

Eine weitere Themenseite widmet sich der Arbeitsweise Stefan Zweigs. Am Beispiel von "Das erste Wort über den Ozean" aus der Reihe Sternstunden der Menschheit begibt sich Simone Lettner, Dissertantin am Fachbereich Germanistik und aktuelle Gewinnerin des Adolf Haslinger Literaturstipendiums, auf Spurensuche und gibt anhand von Zweigs Arbeitszeugnissen Einblick in die Entstehung seiner Werke.


Erweiterung der Bestandslisten online

Seit April 2020 kann man sich online mithilfe neu erstellter bzw. überarbeiteter Bestandslisten zum Archiv der Rauriser Literaturtage sowie zu den Rundfunkarbeiten Brita Steinwendtners informieren; sie sind auf der Homepage des Literaturarchivs abrufbar.

Die seit 2019 im Literaturarchiv Salzburg aufbewahrten und im Zuge der Vorbereitungen auf das Jubiläumsprogramm anlässlich der 50. Saison des Festivals gesichteten und geordneten umfangreichen Bestände des Archivs der Rauriser Literaturtage umfassen Korrespondenzen mit Autor*innen, Programmfolder, Plakate, Fotos, Rezensionen, Tondokumente u. a. m. - abrufbar unter Archiv Rauriser Literaturtage.

Brita Steinwendtner, Autorin und ehemalige ORF-Mitarbeiterin sowie von 1990 bis 2012 Intendantin der Rauriser Literaturtage, hatte ihre Sammlung von Tondokumenten gemeinsam mit Typoskripten, Manuskript-Notizen und Dossiers (Materialsammlungen) zu einzelnen Themen und Sendungen bereits vor einiger Zeit dem Literaturarchiv Salzburg als Schenkung übergeben; sie waren in einer Kooperation mit der Österreichischen Mediathek digitalisiert worden. Nun ist eine überarbeitete Liste von Steinwendtners zahlreichen Radiosendungen über literarische und kulturelle Themen, ihren Interviews und Gesprächen mit österreichischen Autorinnen und Autoren, aber auch ihren Beiträgen zur internationalen Literatur online verfügbar - siehe Rundfunkarbeiten Brita Steinwendtners.

Beide Bestände können im Literaturarchiv eingesehen und benutzt werden.



Literaturarchiv auf UNInteressant.at

Im Rahmen der neuen Kampagne UNInteressant? stellt die österreichische Universitätenkonferenz gemeinsam mit 22 öffentlichen Unis und dem FWF Ideen aus der Welt der Wissenschaft vor, die für unseren Alltag in den kommenden Jahrzehnten entscheidend sind. Für die Universität Salzburg ist auch das digitale Angebot des Literaturarchivs mit dabei.


#closedbutopen

Das Literaturarchiv hat in den letzten Monaten seine Social-Media-Präsenz verstärkt und ist nun neben Facebook auch auf Instagram vertreten. Unter dem Hashtag #closedbutopen haben viele Kulturinstitutionen Teile ihrer Sammlungen für Interessierte online zugänglich gemacht. Auch wir konnten auf diesem Weg trotz Corona-bedingt geschlossener Türen Einblicke in das Literaturarchiv bieten.


Einführungskurs Digital Humanities bei der ditact

Bei der diesjährigen ditact – women’s IT summer studies bieten Katharina Zeppezauer-Wachauer (Mittelhochdeutsche Begriffsdatenbank) und Lina Maria Zangerl (LAS) den Online-Einführungskurs „Doing Digital Humanities“ an.

Der Kurs eröffnet einen systematischen Überblick über das Forschungsfeld DH und seine Methoden. Es sind keine Erfahrung im Bereich Digital Humanities oder spezifische IT-Kenntnisse notwendig und der Kurs ist für alle Studentinnen, interessierte Geisteswissenschaftlerinnen oder Quereinsteigerinnen (z.B. aus dem Bereich der Kultur- oder Gedächtnisinstitutionen) geeignet.

Die Anmeldung bei der ditact läuft bis 12. Juli 2020, danach gibt es eine Restplatzbörse.



Webseite meinDigitalesArchiv.de – Informationsplattform für die Sicherung persönlicher digitaler Daten

Wir alle müssen heute nicht nur physische, sondern auch digitale Dinge ordnen und aufbewahren. In der digitalen Welt fehlen uns aber oft die Werkzeuge, um die längerfristige Sicherung unserer persönlichen Materialien zu gewährleisten. Worauf sollte man achten, wenn man seine privaten digitalen Daten für sich selbst oder andere bewahren will?

Die Anfang 2020 veröffentlichte Website meinDigitalesArchiv.de macht hierzu konkrete Vorschläge.

Expertinnen und Experten haben die Ratschläge anschaulich aufbereitet. Auswahlkriterien für persönliche Erinnerungen in digitaler Form sowie Methoden zu deren Strukturierung werden auf der Webseite genauso angesprochen wie heute gängige Speicherkonzepte mit den jeweiligen Vor- und Nachteilen. meinDigitalesArchiv.de ist das erste entsprechende Informationsangebot für die breite Öffentlichkeit im deutschsprachigen Raum und soll das vordergründig komplexe Thema alltagsnah und für Laien verständlich vermitteln.

Erarbeitet wurde die Informationsplattform von einer Gruppe von Bibliothekar*innen, Archivar*innen und Museumsexpert*innen sowie Vertreter*innen anderer Informationsberufe, die sich in Deutschland und Österreich seit 2016 intensiv mit dem Thema „Personal Digital Archiving“ (PDA) befasst. Organisiert hat sich die Arbeitsgruppe in nestor, dem deutschen Kompetenznetzwerk für Langzeitarchivierung. Lina Maria Zangerl (LAS) ist Mitglied der Arbeitsgruppe; sie präsentierte die neue Website am 9. Juni 2020 bei der 10. Jahrestagung der Open Preservation Foundation, OPFCON 2020.


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Veranstaltungen und Vorträge


Bachmann-Foto-Ausstellung (Literaturhaus Salzburg)

Von 11. Jänner bis zur Corona-bedingten Schließung im März 2020 zeigte das Frauenbüro der Stadt Salzburg im Literaturhaus eine Ausstellung von Fotos, die Heinz Bachmann 1962 in Rom von seiner Schwester, der Autorin Ingeborg Bachmann, gemacht hat. Das Literaturarchiv Salzburg war als Kooperationspartner an der Vernissage der Ausstellung beteiligt. Zur Eröffnung der Ausstellung am Freitag, 10. Jänner 2020, führte Irene Fußl nach einer szenisch-dialogischen Einleitung von Heinz Bachmann und Olivia Pflegerl ein Gespräch mit dem Bruder der Autorin. Teile des Abends sind online abrufbar unter Youtube Bachmann-Foto-Ausstellung.

Am 28. Februar fand die Lange Nacht des Hörspiels 2020 im Literaturhaus Salzburg statt. Irene Fußl übernahm die Einführung in Ingeborg Bachmanns frühes Hörspiel Ein Geschäft mit Träumen.

Als Schlusspunkt der Bachmann-Foto-Ausstellung war ursprünglich für den Freitag, 3. April 2020, ein Abend zu Ingeborg Bachmanns Rom unter dem Titel Ich habe hier leben gelernt mit Irene Fußl und Arturo Larcati sowie einer Lesung von Katharina Wawrik geplant, der jedoch aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt werden musste. Ein kleiner Text zu diesem Thema ist stattdessen online abrufbar unter https://www.literaturfuerdenfall.at/ingeborg-bachmanns-rom/.


Internationale Aichinger-Tagung London

Von 15. bis 17. Jänner 2020 fand die Tagung Between Depature and Arrival zu den Zwillingsschwestern Ilse Aichinger (Schriftstellerin) und Helga Michie (bildende Künstlerin) in London statt. Irene Fußl hielt einen Vortrag über den Briefwechsel zwischen Ingeborg Bachmann, Ilse Aichinger und Helga Michie unter Einbezug ihrer künstlerischen Verbundenheit.


Rauriser Literaturtage

Die ursprünglich für 25. bis 29. März 2020 geplanten 50. Rauriser Literaturtage, mit denen das Literaturarchiv eng zusammenarbeitet, sollten im Zeichen des anstehenden Jubiläums der 1971 erstmals organisierten Veranstaltungsreihe stehen. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde das bereits geplante Programm (Motto „Fünfzig.“) mit Lesungen von bereits in Rauris ausgezeichneten Autorinnen und Autoren (u. a. Nobelpreisträgerin Herta Müller) auf den fürs kommende Jahr regulär vorgesehenen Termin 7. bis 11. April 2021 verschoben.

Zu diesem Zeitpunkt wird auch die bereits fertig geplante Ausstellung („Fünfzig Jahre Literaturtage innergebirg“) im neu adaptierten Mesnerhaus („Haus für Kultur und Literatur“) gezeigt sowie ein Begleitbuch mit Texten und zahlreichen Fotos veröffentlicht werden; bei ihrer Gestaltung wirkte jeweils – neben Manfred Mittermayer und Ines Schütz, die für die künstlerische Leitung des Festivals zuständig sind – seitens des Literaturarchivs auch Bernhard Judex mit. Der vom Land Salzburg verliehene Rauriser Literaturpreis für das herausragendste Prosa-Debüt des letzten Jahres ging diesmal an Angela Lehner für ihr Buch „Vater unser“, den Förderungspreis erhielt Vanessa Graf. Die Vergabe der Preise wird voraussichtlich im Spätherbst im Rahmen einer eigenen Veranstaltung nachgeholt werden.

Inzwischen ist bereits die Ausschreibung für den Rauriser Förderungspreis 2021 erfolgt. Er wird, wie gewohnt, vom Land Salzburg und der Marktgemeinde Rauris vergeben, diesmal für einen unveröffentlichten Prosatext zum Thema „Abstand“, und ist mit € 5.000,— dotiert.

Es können sich Autorinnen und Autoren bewerben, die einen Salzburg-Bezug aufweisen (Geburtsort, Wohnort, Studienort, Arbeitsplatz, etc.). Die Texte müssen bis 29. Oktober 2020 beim Land Salzburg (Abteilung 2, Referat 2/04 Kultur und Wissenschaft, Postfach 527, E-Mail: kultur-wissenschaft@salzburg.gv.at) eingelangt sein.


Verleihung des Sarah-Samuel-Preises für Kurzprosa

Das Literaturarchiv Salzburg kooperiert seit 2019 mit dem Literaturhaus Graz bei der Verleihung des Sarah-Samuel-Preises für Kurzprosa, der von einem Salzburger Autor*innenpaar (das unter dem Pseudonym Sarah Samuel publiziert) gestiftet wurde und jeweils mit 10.000 Euro dotiert ist.

Der Sarah-Samuel-Preis 2020 geht an Thomas Stangl für sein Buch Die Geschichte des Körpers. Aus der Begründung der Jury (Klaus Kastberger, Carsten Otte, Brigitte Schwens-Harrant): „In den teils äußerst verdichteten und kurzen Texten, die durch feine motivische Anspielungen wie von Zauberhand verbunden scheinen, geschieht etwas mit Raum und Zeit, mit Innen und Außen – und so manche Sicherheit verrutscht. […] Thomas Stangl ist ein sensibler Entdecker der Haut als literarisches Sinnesorgan.“




Lange Nacht der Museen

Das Literaturarchiv Salzburg nimmt auch 2020 – soweit es die Corona-bedingten Regelungen für Veranstaltungen erlauben – an der Langen Nacht der Museen teil, die heuer am 3. Oktober stattfindet. Im Rahmen von Führungen werden einige besonders attraktive Stücke aus den Beständen des Literaturarchivs gezeigt und kommentiert. Um 19:00 Uhr wird unter dem Titel „Eine lange Nacht“ mit Ingeborg Bachmann eine unbekannte Fassung der Erzählung Ein Schritt nach Gomorrha vorgestellt.
Einblicke in die Geschichte der Rauriser Literaturtage, die heuer ihre 50. Saison begangen hätten, bietet eine Präsentation um 21:00 Uhr, bei der ausgewählte Dokumente (Fotos, Briefe, Hör- und Filmausschnitte) aus dem Archiv des Literaturfestivals gezeigt werden. Entlang einzelner Hörstationen gibt es zudem ein literarisches Rätsel mit Buchpreisen, und auch der traditionelle Bücherflohmarkt findet wieder statt.

Weitere Informationen folgen auf https://langenacht.orf.at/info/.



Bernhard-Tage St. Veit – Neugestaltung der Bernhard-Räume

Die für Oktober 2020 geplanten 26. Bernhard-Tage in St. Veit werden aufgrund der Corona-Krise abgesagt. Das Programm, das die Berührungspunkte und Differenzen zwischen Thomas Bernhard und Peter Handke zum Thema gehabt hätte, wird auf 8. und 9. Oktober 2021 verschoben.

Zugleich sollen die im Seelackenmuseum St. Veit befindlichen Bernhard-Räume mit einer Dokumentation zu Thomas Bernhard und seiner lebensgeschichtlichen Beziehung zum Ort und zur Region, die nicht zuletzt für Werke wie Frost oder Die Kälte entscheidend war, durch die Kuratoren Harald Gschwandtner (Fachbereich Germanistik) und Bernhard Judex (LAS) in Zusammenarbeit mit dem Ausstellungsgestalter Gerold Tagwerker neu adaptiert werden. Diese Ausstellung soll noch in diesem Jahr fertiggestellt werden.


Von Mäusen, Hühnern und anderen Elefanten – Aus dem Nachlass Georg Eberls: ein Literaturfrühstück im Literaturhaus Salzburg

In der vom Salzburger Literaturforum Leselampe veranstalteten Reihe „Literaturfrühstück“ war für 2. April ein Vortrag von Silvia Bengesser-Scharinger über den Salzburger Autor Georg Eberl (1893–1975), dessen Nachlass sich im Literaturarchiv befindet, und sein literarisches Bestiarium geplant. Aufgrund der Corona-Krise wurde die Veranstaltung auf den 5. November verschoben; unterdessen erschien, angeregt durch Barbara Stasta und Magdalena Stieb, im neu geschaffenen online-Format Literatur für den Fall ein kleiner Beitrag über den Autor:Von Mäusen, Hühnern und anderen Elefanten, abrufbar unter https://www.literaturfuerdenfall.at/category/geschichten/)


Internationale Celan-Tagung in Salzburg

Am 20. November 2020 ist eine Mini-Tagung zu Paul Celans 100. Geburtstag und 50. Todestag in diesem Jahr geplant, die von Uta Degner, Irene Fußl und Hildegard Fraueneder – im Rahmen des Programmbereichs Figurationen des Übergangs des Kooperationsschwerpunkts Wissenschaft&Kunst – organisiert wird. Die Tagungs-Beiträge werden in einem Sonderheft der Zeitschrift Sprachkunst publiziert.


Literaturfrühstück zu Paul Celan

Am 3. Dezember 2020 veranstaltet das Literaturforum Leselampe im Literaturhaus Salzburg ein Literaturfrühstück zu Paul Celan, das Irene Fußl gestalten wird.


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Ausstellung


Landesausstellung „Großes Welttheater – 100 Jahre Salzburger Festspiele“>

Im Rahmen einer Kooperation des Salzburg Museums mit dem Literaturarchiv kuratiert Manfred Mittermayer inhaltlich den Raum „Das Wort“ zum zeitgenössischen österreichischen Theater bei den Salzburger Festspielen. Außerdem stellt das Literaturarchiv aus seinen Beständen Exponate zur Verfügung.

Künstlerische Gestalterin des Raumes ist die international renommierte Künstlerin Eva Schlegel, die Sprach-Elemente dreier Autoren und einer Autorin (Hugo von Hofmannsthal, Thomas Bernhard, Peter Handke, Elfriede Jelinek) u.a. im Rahmen einer Videoinstallation filmisch umsetzen wird.

Die Landesausstellung wird nach einer Corona-bedingten Verschiebung ab 26. Juli 2020 zu sehen sein und bis 31. Oktober 2021 geöffnet bleiben.

Weitere Informationen finden Sie hier.

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Publikation


Quellen und Materialien zur Entstehung der Salzburger Festspiele

Das Literaturarchiv war am Zustandekommen einer bemerkenswerten Publikation zur Entstehungsgeschichte der Salzburger Festspiele beteiligt, die rechtzeitig zum 100-Jahr-Jubiläum des Festivals 2020 im Böhlau Verlag erscheint – es handelt sich um den von Robert Hoffmann unter Mitarbeit von Bernhard Judex herausgegebenen Band Festspiele in Salzburg. Quellen und Materialien zur Gründungsgeschichte. Teil 1 (1913-20).

Die insgesamt auf zwei Bände angelegte Edition umfasst zum Großteil unveröffentlichte Dokumente aus dem Nachlass des Mozarteumsfunktionärs Friedrich Gehmacher und des Musikkritikers Heinrich Damisch, die bereits ab 1913 die Idee zur Etablierung von Festspielen und der Gründung eines Festspielhauses in Salzburg verfolgten. Außerdem werden neben Briefen Lilli Lehmanns als einer der entschiedensten Gegnerinnen des Projekts zentrale Briefe u.a. von Leopold von Andrian, Hermann Bahr, Hugo von Hofmannsthal, Max Reinhardt und Richard Strauss als den in der Öffentlichkeit viel bekannteren Proponenten der Festspielidee sowie zeitgenössische Zeitungsartikel wiedergegeben.


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Ingeborg Bachmann Forschungsstelle


Publikationen: Salzburger Bachmann Edition

Der Redaktor der Salzburger Bachmann Edition und Cheflektor des Suhrkamp Verlags, Raimund Fellinger, ist im April dieses Jahres nach schwerer Krankheit verstorben. An seiner Stelle hat Wolfgang Kaußen das Lektorat übernommen. Die Arbeit am Manuskript Das dreißigste Jahr, hg. von Rita Svandrlik unter Mitarbeit von Silvia Bengesser und Hans Höller, ist so weit gediehen, dass der Band im vierten Quartal des Jahres erscheinen wird.


Chronik zu Leben und Werk Ingeborg Bachmanns (Projekt: 2019–21)

In diesem Jahr wird die Chronik von Anna Estermann durch die Erschließung weiterer Briefwechsel fortgeführt (darunter die Korrespondenzen mit Theodor W. Adorno, Johannes Edfeld, Herbert Eisenreich, Peter Hamm, Gustav René Hocke, Inge und Walter Jens, Toni Kienlechner, Alexander Lernet-Holenia, Fritz von Opel, Lilly von Sauter, Gershom Scholem, Gerhard Szczesny und Jacob Taubes).

Eine vollständige digitale Veröffentlichung der Chronik wird aufgrund der Wahrung bestehender Persönlichkeitsrechte der Briefpartner*innen am Ende der Projektlaufzeit nicht möglich sein. Daher wird nun an einem Konzept gearbeitet, zumindest einen digitalen „Zeitstrahl“ mit rechtlich unproblematischen Daten über die Homepage des Literaturarchivs Salzburg zugänglich machen zu können.


Post-DocTrack-Stipendium der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (März–August 2020)

Im Rahmen eines Post-DocTrack-Stipendiums der Akademie der Wissenschaften arbeitet Caroline Scholzen derzeit am Literaturarchiv an der Ausarbeitung eines Projektantrags zur Erforschung von „Ingeborg Bachmanns philosophischen Lektüren“. Im Juni durfte sie mit freundlicher Unterstützung der Erben Ingeborg Bachmanns die Bibliothek der Autorin im Hinblick auf ihr Forschungsprojekt untersuchen.

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Forschung und Lehre


Lehrveranstaltungen

Silvia Bengesser-Scharinger und Bernhard Judex boten im Sommersemester 2020 das Proseminar Editionsphilologie und Archivarbeit an. Corona-bedingt gestaltete sich die Lehrveranstaltung jedoch anders, als in den vergangenen Jahren. Anstelle von Plenumssitzungen, Referaten, Exkursionen und Gastvorträgen wurden die thematischen Schwerpunkte durch einschlägige Lektüre und unterschiedliche Aufgabenstellungen erarbeitet, u.a. durch kleine Probeeditionen anhand ausgewählter Archivalien aus dem LAS: so z.B. eine Edition von Alois Grasmayrs unveröffentlichter Erzählung „Das Zuckerrohr“ aus dem zweiten Teil seiner autobiographischen Geschichten für eine fiktive Studienausgabe der Werke des Autors (siehe dazu auch den aktuellen Beitrag las*FUNDE).


Scientist-in-Residence-Programm

Auch in diesem Jahr nimmt das Literaturarchiv am Scientist-in-Residence-Programm der Stadt Salzburg teil und kann von der Möglichkeit, Forscher/innen in Salzburg für Arbeitsaufenthalte eine Wohnung anzubieten, Gebrauch machen. Barbara Agnese (Montréal) hält sich seit März 2020 in Salzburg auf, um an dem Briefwechsel-Band Ingeborg Bachmann – Marie Luise Kaschnitz, Nelly Sachs, Hilde Domin, der im Rahmen der Salzburger Bachmann Edition erscheinen wird, zu arbeiten.

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Ankäufe und Schenkungen


Ankauf des Vorlasses von Karl-Markus Gauß

Seit Beginn dieses Jahres befindet sich der Vorlass des vielfach international ausgezeichneten Autors Karl-Markus Gauß, eines der renommiertesten Salzburger Schriftsteller, außerdem Ehrendoktors der Paris-Lodron-Universität Salzburg, im Bestand des Literaturarchivs Salzburg. Eine Präsentation dieser bedeutenden Neuerwerbung – gemeinsam mit dem Autor – konnte Corona-bedingt nicht mehr stattfinden; sie soll im kommenden Herbst nachgeholt werden.

Der Vorlass enthält einerseits eine umfangreiche Sammlung an Arbeitsmaterialien: Notizen, Stichwörter, Tagebuch-Einträge, Entwürfe, Skizzen, Reisehefte, Materialien, die Gauß im Hinblick auf seine Bücher gesammelt hat, ferner Baupläne und verschiedene Arbeitsstufen seiner Texte.

Neben den diversen Manuskripten, die seine Arbeitsweise dokumentieren, finden sich auch immer wieder (bisher noch unveröffentlichte) Reflexionen über die Motive und Methoden seiner Arbeiten: der Essays, der Journale und der Reisebücher.

Dazu kommen andererseits 25 Aktenordner mit Korrespondenzen seit 1990; die Liste der Briefpartner ergibt eine Art Who’s Who der zeitgenössischen österreichischen Literatur (und darüber hinaus). Besonders umfangreiche Korrespondenzen existieren u. a. mit Michael Guttenbrunner, Erich Hackl, Marie-Thérèse Kerschbaumer, Paul Parin, Michael Scharang, Evelyn Schlag und Hermann Schreiber.

Die Rezeption des bisher vorliegenden Werks ist durch eine annähernd vollständige Sammlung sämtlicher Rezensionen seiner Bücher in insgesamt 20 Aktenordnern dokumentiert.


Briefe Stefan Zweigs

In Ergänzung zu Erwerbungen der vergangenen Jahre konnte das Literaturarchiv im Juni einen eigenhändigen Brief sowie eine Postkarte von Stefan Zweig an Victor Fleischer ersteigern. Der Brief vom 1. November 1916 betrifft Bemühungen um die Aufführung von Fleischers Komödie Kollege Eisenhart und ist verso eigenhändig beschrieben von Friderike von Winternitz.


Schenkungen

Die Dauerleihgabe des Nachlasses von Christian Martin Fuchs (1952–2008), Mitbegründer der Wochenzeitung FALTER, Chefdramaturg am Salzburger Landestheater unter Lutz Hochstraate, Librettist und Autor, konnte erfreulicherweise in Übereinkunft zwischen der Erbengemeinschaft und der Universität Salzburg in eine Schenkung umgewandelt werden.

Darüber hinaus bedanken wir uns bei Bodo Hell für eine großzügige Schenkung von Büchern, die seinen Bibliotheksbestand im Literaturarchiv vervollständigen (→ Bestandsliste Bodo Hell), sowie bei Hans Spatzenegger für zahlreiche Archivalien, v.a. Typoskripte und Beiträge in Printmedien, die für das kulturelle Leben in Salzburg von Bedeutung waren und sind (u.a. von Angelica Bäumer, Josef Brettenthaler, Josef Donnenberg, Georg Eberl, Elisabeth Effenberger, Karl-Markus Gauß, Erwin Gimmelsberger, Christian Wallner, Wolfgang Wenger, Erik G. Wickenburg).

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