Wenn die Inhalte nicht korrekt dargestellt werden klicken Sie bitte hier
logo

Newsletter vom 16. Dezember 2016

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde des Literaturarchivs!

Wie gewohnt, informieren wir Sie auch diesmal am Ende eines ereignisreichen Jahres über Ausstellungen, Veranstaltungen, Ankäufe, Publikationen und sonstige Neuigkeiten des zweiten Halbjahres 2016.

Wir wünschen Ihnen schöne und erholsame Weihnachtsfeiertage sowie alles Gute für das kommende Jahr!

Mit den besten Grüßen
das Team des Literaturarchivs

las* funde


Felicie Rotter: Wo ist sie?

Typoskriptblatt mit hs. Korrekturen


Von Kürze und Gegenwärtigkeit sollten die Gedichte Felicie Rotters (1916–1982) bestimmt sein. Das Haiku galt der Schriftstellerin und bildenden Künstlerin als ästhetisches Vorbild und auch thematisch ist ihre Lyrik mit der japanischen Kurzform verwandt: Beobachtung der Natur, Vergänglichkeit und Jahreszeitenbezug sind in Wo ist sie? maßgeblich.

1916 als Tochter des Schriftstellers Julius Pupp und der Schriftstellerin Geraldine Erben geboren und in Wien aufgewachsen, lebte Felicie Rotter seit 1947 in Salzburg. Als junge Meisterschülerin bei Alexander Rothaug beschäftigte sie sich mit Akt- und Portraitmalerei, das Gedichteschreiben war fester Bestandteil der Erziehung im Hause Pupp. Später schrieb Felicie Rotter auch Prosa: Zwei Romane Der Andere (1953) und Das Blutsiegel (1957) sowie zahlreiche Kurzgeschichten wurden veröffentlicht. Im Nachlass der Autorin am Literaturarchiv Salzburg finden sich weitere unpublizierte Texte, etwa ein umfangreiches Typoskript zum Roman Die grauen Schwäne. Durch den Autor Günter Eich, mit dem sie bekannt war, kam Felicie Rotter außerdem zum Schreiben von Hörspielen, die mehrfach ausgezeichnet wurden (u.a. Hugo von Montfort Preis für das Hörspiel Echo 1962).

Für ihren unveröffentlicht gebliebenen Gedichtband In den Gewölben des Minotaurus erhielt Felicie Rotter 1967 gemeinsam mit Gundl Nagl und Franz Braumann den Georg-Trakl-Preis für Lyrik. Zahlreiche Typoskriptseiten und handschriftliche Notizen zu den Gedichten sind in 18 erhaltenen Mappen überliefert. In einer Mappe mit der Aufschrift „Notizen und alte Gedichte“ ist das nicht datierbare Wo ist sie? zu finden. Wie viele andere Gedichte Felicie Rotters ist auch dieses geprägt von existenziellen Fragen. Anlässlich der aufgeheizten Modernismus-Debatte nach der Trakl-Preis-Verleihung an Gundl Nagl hält Felicie Rotter in einer Rede zum „Gedicht – heute“ programmatisch fest: „Das nicht in Worte Faßbare muss im Gedicht gegenwärtig werden.“

Dass Felicie Rotters Gedichte auch von Schriftstellerkolleginnen geschätzt wurden, bezeugt die im Nachlass überlieferte Korrespondenz. Als Reaktion auf den 1960 veröffentlichten Gedichtband Schnee und Nüsse schreibt Ilse Aichinger an Felicie Rotter: „Zugleich scheint es mir aber auch, als wäre das kein Zufall (oder doch einer, aber ein richtiger) und dieser stille verschneite Nachmittag genau der geeignete, um Ihnen zu sagen, wie nah mir Ihre Verse sind, wie sehr sie dem schönen Titel des Bandes gewachsen sind – um Ihnen zu danken für ,Schnee und Nüsse‘. Ich habe sie wie die Notenschrift einer schönen vertrauten Musik gelesen (so vertraut wie das ‚Fremde‘ oft sein kann) und sie werden mir nahe bleiben.“

(Lina Maria Zangerl)


Zurück zum Inhaltsverzeichnis


Ausstellung


Dichter bei den Festspielen: Thomas Bernhard – Peter Handke


Anlässlich der Neuinszenierung von Thomas Bernhards Der Ignorant und der Wahnsinnige bei den Salzburger Festspielen 2016 beschäftigte sich die im August gezeigte, gut besuchte und in zahlreichen Medien rezipierte Ausstellung neben diesem 1972 uraufgeführtem Stück mit der Komödie Der Theatermacher (1985). Gegenübergestellt wurden diesen beiden Stücken von Thomas Bernhard die beiden Festspiel-Uraufführungen von Peter Handke: Über die Dörfer (1982) und Immer noch Sturm (2011). Die von Martin Huber und Manfred Mittermayer kuratierte Ausstellung, zu der auch eine Begleitbroschüre erschien, entstand in Kooperation mit der Adolf Haslinger Literaturstiftung und dem Verein „Freunde der Salzburger Festspiele“.


Festspiel-Symposium über Thomas Bernhard

Ebenfalls im Rahmen des sommerlichen Bernhard-Schwerpunkts fand im August 2016 als Veranstaltung der „Freunde der Salzburger Festspiele“ ein Symposium über den Autor statt, das von Manfred Mittermayer gestaltet wurde und sich mit der Beziehung Bernhards zu den Festspielen, der Bedeutung der Musik für sein Schreiben sowie mit Biographischem und Autobiographischem in seinem Werk befasste. Den Eröffnungsvortrag hielt Hermann Beil, den Abschluss bildete ein Beitrag von Sigrid Löffler; neben dem Kurator wirkten u.a. auch die Salzburger Germanisten Harald Gschwandtner, Hans Höller, Martin Huber und Bernhard Judex als Vortragende mit.


Zurück zum Inhaltsverzeichnis


Veranstaltungen


FUNDSTELLEArchiv

In der Veranstaltungsreihe FUNDSTELLEArchiv wurde am 12. Dezember 2016 anlässlich des 100. Geburtstags von Josef Hofmann und Felicie Rotter an eine Autorin und einen Autor erinnert, die zum literarischen Leben von Stadt und Land Salzburg gehör(t)en. Neben einer kurzen Präsentation ihrer Nachlassbestände, die von einer kleinen Ausstellung begleitet wurde, las Ulrike Arp aus Gedichten und Prosatexten. Liane Frischenschlager (Tochter von Felicie Rotter), Adolf Hahnl (Freund und Erbe des Nachlasses von Josef Hofmann) und Hildemar Holl (Adolf Haslinger Literaturstiftung) vermittelten Einblicke in deren Leben und Werk.


Lange Nacht der Museen

Bei der Langen Nacht der Museen am 1. Oktober 2016 wurden die Bestände und Aktivitäten des Literaturarchivs Salzburg präsentiert: Ulrike Arp las aus Texten von Barbara Frischmuth, Peter Stephan Jungk und Peter Handke, deren Vorlass-Autographen im Archiv aufbewahrt sind. In Ausstellungsvitrinen wurden Werkmaterialien gezeigt und ein Handschriften-Workshop machte mit einem zentralen Arbeitsbereich des Literaturarchivs bekannt; Führungen durch Depot und Arbeitsräume sowie ein Kinderprogramm rundeten das Angebot ab.


Thomas Bernhard Tage St. Veit 2016

Am 7. und 8. Oktober fanden in St. Veit im Pongau die 22. Thomas Bernhard Tage statt, die sich diesmal dem Thema Verlage, Redaktionen, Bücher widmeten. Bei der in Zusammenarbeit mit der Universität Salzburg (Fachbereich Germanistik) und dem Literaturarchiv Salzburg organisierten Veranstaltung (Konzeption: Harald Gschwandtner) sprach u.a. Martin Huber über die Publikationsgeschichte von Verstörung, Korrektur und Auslöschung; Manfred Mittermayer führte ein Gespräch mit dem Verleger Jochen Jung.


Charlotte Herzfeld im Literaturhaus am Inn (Innsbruck)

Im Rahmen der Veranstaltung Otto Grünmandls Zimmertheater am 22. November 2016 präsentierten Silvia Bengesser-Scharinger (Literaturarchiv Salzburg) und Martin Hanni (Bozen) Forschungsergebnisse und Archivquellen zur Familiengeschichte der Dadaisten Herzfeld; beleuchtet wurden biographische Zusammenhänge sowie das literarische und bildnerische Schaffen von Franz Held, John Heartfield, Wieland Herzfelde und Charlotte Herzfeld, deren Nachlass sich im Literaturarchiv Salzburg befindet.


Literaturhaus Henndorf

Im Sonderheft der Schriftenreihe Literaturhaus Henndorf zum 135. Geburtstag von Johannes Freumbichler veröffentlichte Hildemar Holl einen Beitrag über Freumbichlers Salzburger Spinnstubengeschichten, Silvia Bengesser-Scharinger verfasste die Einführung zur Ausstellungsbroschüre 11 Kurzporträts der von Bernd Fischer (Berlin) gestalteten und im Literaturhaus ausgestellten Schautafeln.


Zurück zum Inhaltsverzeichnis


Ankäufe


Briefe von Franz Karl Ginzkey

Im Juni konnte das Literaturarchiv 20 Briefe und Karten Franz Karl Ginzkeys an seinen Freund Reinhold Glaser, Chefredakteur des Salzburger Volksblatts, erwerben. Den Korrespondenzstücken lagen auch drei Manuskripte bei, darunter der Entwurf einer Rede Ginzkeys anlässlich einer Gedenkveranstaltung für Alfons Petzold im Februar 1923.


Tagebuch Friderike Maria Zweig

Seit Juli wird im Literaturarchiv ein bisher unbekanntes Tagebuch von Friderike Maria Zweig aufbewahrt, das zur Zeit des Ersten Weltkrieges entstand. Das Buch konnte von Judith Zohn, der Witwe des Literaturwissenschaftlers und langjährigen Freundes von Friderike Zweig, Harry Zohn, erworben werden.


Zurück zum Inhaltsverzeichnis


Publikationen


Salzburger Bachmann Edition

Im Frühjahr 2017 erscheinen die ersten beiden Bände der Salzburger Bachmann Edition bei Suhrkamp in Kooperation mit dem Piper Verlag (herausgegeben von Hans Höller und Irene Fußl unter Mitarbeit von Silvia Bengesser-Scharinger und Martin Huber).

Der Band Male oscuro. Aufzeichnungen aus der Zeit der Krankheit, der von Isolde Schiffermüller und Gabriella Pelloni (Universität Verona) herausgegeben wird, bietet erstmals Einblick in bisher gesperrte Traumnotate, Briefe, Brief- und Redeentwürfe der Autorin. Diese Texte sind im Hinblick auf die späten Todesarten-Texte von großem literarischen Interesse.

Der Band Das Buch Goldmann, herausgegeben von Marie Luise Wandruszka (Universität Bologna), ist eine Edition von Ingeborg Bachmanns großem Erzählvorhaben, an dem sie bis zuletzt festgehalten hat. Das fragmentarisch überlieferte Werk verteidigt das rettende Erzählen; Querverbindungen ergeben sich zur österreichischen Geschichte und Kultur, es ‚sprechen‘ die Namen der Protagonisten, der Orte, Straßen und Plätze Wiens.


Briefwechsel Marie von Ebner-Eschenbach – Josephine von Knorr

Im November 2016 erschien bei De Gruyter in Berlin als Resultat einer mehrjährigen Forschungsarbeit der Briefwechsel zwischen Marie von Ebner-Eschenbach und Josephine von Knorr. Die kritische und kommentierte Ausgabe in 2 Bänden wurde neben Ulrike Tanzer und Gabriele Radecke von den beiden Mitarbeiterinnen des Literaturarchivs Irene Fußl und Lina Maria Zangerl herausgegeben.


Zurück zum Inhaltsverzeichnis


Forschung


Stefan Zweig digital

Das Literaturarchiv Salzburg bewahrt eine der größten Sammlungen von Materialien aus dem Nachlass Stefan Zweigs auf. Dieser wertvolle Bestand soll im Rahmen des Projekts Stefan Zweig digital einer weltweiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Ziel ist die Entwicklung einer Plattform, die neben einer Verzeichnung der handschriftlichen Quellen digitale Faksimiles versehen mit Metadaten zur Verfügung stellt. Das von der Universitätsbibliothek Salzburg personell und technisch unterstützte Projekt wird ab Anfang 2017 gemeinsam mit dem Zentrum für Informationsmodellierung der Universität Graz und unter Beteiligung der Reed Library der State University of New York in Fredonia (USA), die den größten Teil der Nachlassmaterialien Zweigs aufbewahrt, durchgeführt.


Forschungsaufenthalt Torsten Kathke

Torsten Kathke, Postdoktorand am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln, recherchierte im September zum dritten Mal im Nachlass von Robert Jungk für sein Forschungsprojekt über Gegenwartsdiagnosen in Deutschland und den USA in den 1970er und 1980er Jahren. Kathke hatte bereits im November 2015 im Literaturarchiv Salzburg einen Vortrag über die Gesellschaftsanalysen dieses einflussreichen Wissenschaftsjournalisten und Zukunftsforschers gehalten, der von 1970 bis 1994 in Salzburg lebte.


Zurück zum Inhaltsverzeichnis


Lehre und Fortbildung


Proseminar Editionsphilologie und Archivwissenschaft

Im aktuellen Wintersemester findet am Literaturarchiv unter der Leitung von Irene Fußl und Martin Huber wieder eine Lehrveranstaltung zum Thema Editionsphilologie und Archivwissenschaft statt. Die Studierenden haben dabei die Möglichkeit, die Arbeitsfelder eines Archivs in Theorie und Praxis kennen zu lernen. Am Beispiel von konkreten Editionsprojekten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Archivs werden auch unterschiedliche Editionstypen vorgestellt.


Korrespondenz Alja Rachmanova

Aus einer Archivführung für StudentInnen des Fachbereichs Slawistik im Wintersemester (Leiterin der LV Ursula Bieber) entwickelte sich eine Arbeitsgruppe, die Korrespondenzbestände der aus Russland stammenden Autorin Alja Rachmanova für ihre wissenschaftliche Arbeiten erschließt.


Praktika

Im Rahmen der Initiative Kulturpraktikum Salzburg schrieb das Literaturarchiv 2016 drei Praktika aus. Romana Bito, Verena Maria Höller und Magdalena Schwarz absolvierten zwischen Juli und November ihre Praktika und leisteten u.a. einen wertvollen Beitrag bei der Betreuung der Sommerausstellung, der Erschließung und Verzeichnung von Beständen und den Vorbereitungen zum Projekt Stefan Zweig digital. Als weitere Praktikantin war Julia Glunk im September ebenfalls mit Arbeiten für dieses Projekt betraut.


Workshopangebot für Schülerinnen und Schüler

Unter dem Titel Sammeln, Suchen, Staunen – Auf den Spuren Stefan Zweigs im Literaturarchiv Salzburg bietet das Literaturarchiv Workshops für Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe 1 an. Das modulare und handlungsorientierte Programm, das zusammen mit der Museumspädagogin Magdalena Stieb erarbeitet wurde, konnte im Oktober im Rahmen einer Fortbildungsveranstaltung der Pädagogischen Hochschule Lehrerinnen und Lehrern von NMS und AHS/BHS präsentiert werden.

Nähere Informationen zum Angebot finden Sie hier.


Zurück zum Inhaltsverzeichnis


Personalia


Wir gratulieren unserer Kollegin Elke Tomasi zur Geburt ihrer Töchter Charlotte und Franziska. Als Karenzvertretung für Elke Tomasi ist seit Oktober 2016 Claudia Krispler Teil des Literaturarchiv-Teams und übernimmt u.a. die Buch- und Handschriftenkatalogisierung. Im September konnte Lina Maria Zangerl das postgraduale Masterstudium der Bibliotheks- und Informationswissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin erfolgreich abschließen.


Zurück zum Inhaltsverzeichnis


Footer-Logo
Newsletter abmelden